Über unsere Pfarrkirche und die mehr als tausendjährige Geschichte unserer Pfarrei

Unsere erste Pfarrkirche mit dem Patronat „Sankt Aper“ ist auf den Überresten einer römischen Villa im Bereich des heutigen Marktplatzes, möglicherweise schon im 10. Jahrhundert - vermutlich im romanischen Stil - erbaut worden. Erwähnt ist sie erstmals in einer in lateinischer Sprache abgefassten Urkunde aus dem Jahre 1241 als "ecclesia de Lusche" (Kirche von Wasserliesch), mit der der Archidiakon (Erzdiakon, Stellvertreter des Bischofs) zu Trier die "Incorporation" (Zuordnung) zum Kloster St. Irminen in Trier anordnete. Eine Urkunde aus dem Jahr 1459 bestätigt, dass sie damals eine gotische Kirche war. Sie wurde nach dem Bau einer neuen Kirche im Jahre 1920 abgerissen.

Die heutige Pfarrkirche Sankt Aper ist im Jahre 1910 als dreischiffige Stufenhalle an anderer Stelle erbaut worden. Das Mittelschiff wird von einem weit ausladenden Kuppelgewölbe mit großer Spannweite überdeckt. Zur Bauzeit war die Verwendung von eisenbewehrtem Beton für einen Sakralbau neu und außergewöhnlich. Er erlaubte erstmals eine von historischen Baustilen losgelöste Bauweise. Gleichwohl werden sie selbst sowie einige Bauelemente und Ausstattungsgegenstände, darunter der linke Seitenaltar und der ältere Teil der Bestuhlung, dem Neobarock zugeordnet. Die Kirche steht wegen ihrer ungewöhnlichen Bauweise heute unter Denkmalschutz.

Der wertvolle spätbarocke Hochaltar stammt aus dem 18. Jahrhundert. Bis 1910 stand er in der Michaeliskapelle in Wetzlar. Über dem Altartisch befindet sich eine sehr gute Nachbildung des Gnadenbildes Mariahilf von Lucas Cranach dem Älteren als Teil der Altaraufbauten. Es handelt sich um eines seiner berühmten Madonnenbilder, dessen Original sich im Innsbrucker Dom befindet. Das spätgotische wuchtige Taufbecken mit der Jahreszahl 1556 aus der alten zuletzt spätgotischen Pfarrkirche ist ein beachtenswertes Kunstwerk des sakralen Steinmetzhandwerks. Sehenswert im Kircheninneren sind auch die beiden großen Wandgemälde an den Seitenwänden des Chorraumes mit Szenen aus dem Alten Testament, ferner die „Madonna mit der Birne&ldquo aus dem 16. Jh. in einer Nische an der Ostseite des Kirchenschiffs – eine sehr seltene Art der Mariendarstellung, sowie weitere Ausstattungsteile.

Im früher selbstständigen Ortsteil Reinig steht die Reiniger Kapelle. Mit einer St. Nikolausfigur über dem Eingang wurde sie von den Bewohnern im frühen 18. Jahrhundert als "Oratorium für das gemeinsame Gebet des heiligen Rosenkranzes" errichtet. Sie wird bis heute von einer Familie gepflegt und immer noch von den Bewohnern des Ortsteils Reinig für persönliche Gebete und Andachten genutzt.

Auf der Höhe des 350 m hohen „Liescher Berges“ steht an exponierter Stelle mit großartiger Aussicht über das Moseltal und die angrenzenden Höhenzüge die Löschemer Kapelle. Im Jahr 1709 erbaut und ursprünglich dem heiligen Bernhard von Clairvaux geweiht ist sie heute eine Marien-Wallfahrtskapelle, die das ganze Jahr über, besonders aber während der Fastenzeit und im Mai, von Gläubigen aufgesucht wird.

Unsere Pfarrei ist die einzige in Deutschland, die den französischen Bischof und Bekenner Aper von alters her als Schutzpatron nennen kann. Das äußerst seltene Patrozinium weist auf einen sehr alten Einfluss des Bistums Toul (Toul ist eine französische Stadt in Lothringen) in Wasserliesch und Reinig hin. Wahrscheinlich hat das Bistum Toul schon im 7. Jh., sonst das frühere Trierer Kloster St. Maximin, das umfangreiche Besitzungen in Wasserliesch und Reinig unterhielt, bis zum 10. Jh. den heiligen Aper über seine Vögte, die Grafen von Luxemburg, nach Wasserliesch gebracht.

Über die Herkunft und Lebensgeschichte Apers gibt es nur wenig Belegbares. Vieles, was man zu wissen glaubt, beruht auf Legenden und Überlieferungen. Danach könnte er in den Jahren 440 bis 445 in Trancault geboren sein, einem kleinen Dorf mit heute ca. 150 Einwohnern in der südlichen Champagne. Als gesichert gilt, daß Aper von 500 bis 507 der 7. Bischof des Bistums Toul war. Er soll der vornehmen adligen und damals schon christlichen Familie Aper entstammen, die zu den einflussreichsten Bewohnern der Region zählte.

Aper galt als großer Wohltäter der Armen und zu unrecht Verfolgten. Schon bevor er Bischof wurde, habe er sein ganzes Vermögen an Arme verschenkt. Als Bischof gewährte er Waisen und Unterdrückten Asyl und machte aus seinem Haus ein Altersheim und eine Schule. Schon zu Lebzeiten und auch noch nach seinem Tod im Jahre 507 sollen sich mehrere Wunder ereignet haben, die man auf sein Wirken zurückführte.

Im Frühchristentum hatte sich der Brauch entwickelt, die Überreste von Heiligen oder Teile davon als Reliquien zu erwerben, zu verkaufen oder als Belohnung für erwiesene Dienste zu verschenken. Im Mittelalter und danach noch gab es einen lebhaften Reliquienhandel. Auch die Überreste Sankt Apers sind von Anfang an weit verteilt worden; heute sollen sie sich an mehr als 60 Orten – überwiegend in Frankreich – befinden.

Einen kleinen Teil besitzt auch unserer Pfarrkirche. Im Jahr 1950 ließ der damalige Pfarrer Martin ein Reliquiar aus versibertem und vergoldetem Kupfer für die angemessene Aufbewahrung der Reliquie herstellen. Der wohl wesentlichste Teil Sankt Apers, nämlich sein Schädel, befindet sich heute in einem Schrein im Hauptaltar der im 19. Jahrhundert erbauten neugotischen Basilika Sankt Aper in der Altstadt der Lothringischen Stadt Nancy.

Das Namensfest des heiligen Aper wird am 15. September gefeiert. Wenn dieser Tag auf einen Wochentag fällt, feiert Wasserliesch die „Sankt Aper-Kirmes“ am ersten Sonntag danach.

Viel Interessantes über St. Aper Wasserliesch finden Sie auch im Online-Lexikon Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/St._Aper_Wasserliesch